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Podcasts sind ein hervorragender Weg für die meisten Onlineunternehmer, ihre Inhalte einem breiten Publikum zu vermitteln. Man stelle es sich wie Radiosender vor, der jederzeit abrufbar ist, weltweit ausstrahlt und inhaltlich vollkommen frei durch den Moderator gestaltet wird. Das mag wie eine archaische Beschreibung des Internets im Allgemeinen klingen, doch tatsächlich wird die Effektivität und das große Potential von Podcasting erst jetzt von der breiten Masse entdeckt. Entertainer können Comedyshows in ihrem Wohnzimmer produzieren, Businessleute können aufschlussreiche Interviews mit Top-Performern daheim auf Skype aufzeichnen.

Das mag sehr einfach klingen, dennoch sollte auf einige wenige, aber essentielle Punkte geachtet werden. Es folgt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Du deinen eigenen Podcast professionell mit hoher Erfolgschance auf die Beine stellst!


Was ist Podcasting, was ist es nicht?

Dir muss von Anfang an klar sein, für welche Zielgruppe dein Podcast ist. Es gibt zwar ein großes und vielfältiges Publikum, aber das grobe Format ist recht strikt vorgegeben. Auf eine gewisse Art und Weise sind Podcasts noch lockerer zu verstehen als Radio–du suchst dir selbst aus, was du hörst, und das aus einer viel größeren Bibliothek an Sendungen. Wenn dir etwas nicht gefällt, clickst du es noch schneller weg, als du es mit Radio tun würdest.

Achte somit bei der Planung und Produktion deines Podcasts mindestens auf die folgenden essentiellen Punkte:

  • Weißt du möglichst genau, wer deine Zielgruppe ist und wie engagiert sie zuhören? Gibst du ihnen zu viel Information oder zu wenig?
  • Hört deine Zielgruppe überhaupt Podcasts? Das mag lächerlich klingen, doch in den USA sind nur 12% aller Podcastzuhörer über 55–in Deutschland sicher noch weniger. Ist deine Zielgruppe eventuell älter? Ist dein Publikum in dem Format schlecht oder nicht vertreten, höre jetzt auf und suche eine andere Marketingmaßnahme! Podcasting macht zwar Spaß, ist wirksam und erreicht viele Personen–es ist aber auch zeitaufwendig, wenn man es richtig machen möchte!
  • Passen deinen Ton und deine Inhalte zu dem eher persönlichen, informellen Format des Podcasts? Oder gibst du metaphorisch eine Physikvorlesung in Disneyland? Das Podcastpublikum sucht meist etwas Entertainment während sie anderen Tätigkeiten im Alltag nachgehen, wie Joggen oder Kochen–ihre Aufmerksamkeit fluktuiert, und deine Inhalte müssen diese gedanklichen Aussetzer aushalten können.

Da es sich im Folgenden mehr um einen Überblick der technischen Umsetzung handelt, gehe ich nach dieser kurzen Erklärung davon aus, dass du gut und gerne sprichst und deine Inhalte 1-A-spannend für dein Publikum sind!


Die Produktion

Nichts schreckt Zuhörer mehr von deinem Podcast ab als schlechte Tonqualität–der Inhalt ist hier (leider) egal. Gleichzeitig hast du einen enormen Vorteil und überholst die Konkurrenz rasend schnell, wenn die Qualität sauber ist! Wenn deine Stimme deutlich zu verstehen ist, lassen sich Zuhörer auf deine Inhalte ein und geben dir eine Chance.

Die gute Nachricht: professionelle, teure Studiomikrofone sind immer noch dieselben, die in den 70er-Jahren erfunden wurden. Ein solches braucht man wirklich nicht und kann sich das Budget somit sparen. Mithilfe weniger Tipps reicht ein Smartphone! Ich könnte versuchen, viele überzeugende Worte dazu zu verfassen. Stattdessen lasse ich hier einfach ein direktes Beispiel stehen:

Die App, die ich hierfür nutze, heißt „Voice Recorder HD“. Link zur App.

Für erste Tests reicht die eingebaute App „Sprachmemos“ auch aus. Diese komprimiert sanft, was die Qualität vermindert.


zoom h2n

Solltest du dir sicher sein, dass Podcasting etwas für dich ist, könnte sich eine Investition in einen sogenannten “Handy-Recorder” lohnen. Darunter fallen die beliebten Modelle Zoom H1 und Zoom H2n, welche ich aus persönlicher Erfahrung empfehlen kann.

Die Recorder sind hier erhältlich:

Amazon Link zum H1. Amazon-Link zum H2n.

Das H2n klingt nach etwas Bearbeitung wie folgt:


Mikrofone im Allgemeinen entfalten ihr wahres Potential natürlich nur in der richtigen Umgebung. Hierfür habe ich günstigen Schaumstoff auf Amazon bestellt und eine Ecke meines Zimmer damit tapeziert. Für’s erste reicht es vollkommen aus, das Mikrofon in einen Kleiderschrank zu stellen um überflüssigen Klang durch Kleidung zu absorbieren.

Wichtiger Tipp:

Während der Aufzeichnung, ob du mit Smartphone, Recorder oder im Studio arbeitest, empfehle ich dringend, jeden Sprechfehler und ähnliches Material, welches du später entfernen möchtest, mit genauer Zeitangabe live zu notieren. Die Zeit findest du in deiner Aufnahme-App oder auf dem Monitor deines Recorders. So sparst du dir Stunden in der Nachbearbeitung und kannst direkt zu den Fehlern springen und diese herausschneiden, ohne deinen ganzen Podcast nochmals hören zu müssen.


Der Schnitt

Nachdem du eine Podcastfolge aufgezeichnet hast, muss sie bearbeitet werden–kein Wenn und Aber. Ich kenne viele, die Material direkt hochladen–das ist im Bereich Content-Creation Selbstmord! Wenn du nicht bereit bist, Zeit und Arbeit in deine Inhalte zu stecken, warum sollten dir deine Zuhörer ihre Zeit schenken?

Weil kommerzielle Audiosoftware sehr teuer sein kann, empfehle ich für einfachen Schnitt und Bearbeitung der Tonqualität das kostenfreie Programm “Audacity” (Link zu Audacity – Mac und PC). Es mag zwar etwas älter wirken, und die Bedienung könnte kompliziert aussehen, doch es kann alles, was du brauchst–und das mit wenigen Clicks.

audacity editor

Die wichtigsten Schritte in der Bearbeitung sind:

  1. „Trimming“, das eigentliche Schneiden: Hier entfernst du die Teile, die du bei der Aufzeichnung notiert hast, sowie Pausen bevor du anfängst zu sprechen, und nachdem du fertig sprichst. Wenn du mehrere Clips hast, fügst du diese in einem Schritt zusammen.
  2. Optimierung der Qualität: eine Stimme klingt direkt aus dem Mikrofon nicht perfekt–das Gerät weiß ja nicht, ob es eine Stimme, Musik oder Sound Effects aufgezeichnet hat. Im Falle des Podcasts musst du unter anderem einen Equalizer und Compressor einsetzen um das optimale Ergebnis zu erreichen. Das Erklären, wie es ganz genau geht, überlasse ich diesem detaillierten Tutorial von „KingTutsPro“, dessen Inhalt den Rahmen dieses Blogeintrags sprengen würde: Hier clicken zum Tutorial.
  3. Export: aus deinem Audacityprojekt wird beim Export eine neue Tondatei erstellt, welche du dann hochlädst.

Ich empfehle dir dringend bei diesem Schritt, dich mit der Software und der Kunst der Tonbearbeitung intensiver zu beschäftigen. Der Zweck dieses Eintrags ist nur, dir einen groben Überblick zu verschaffen–würde ich auch nur das Essentielle erklären, könnte ich ein zweistündiges Videotutorial produzieren!


Das Hosting

Genau wie für Websites wird auch für Podcasts ein Ort benötigt, an dem die eigentliche Dateien “gelagert” werden und zum Abruf bereitstehen. Das könnte bei einem Hosting-Service, welcher auf Podcasts spezialisiert ist, sein, oder auf einer normalen von dir gehosteten Website – letzteres stellt einen großen Aufwand dar, weshalb ich davon abrate.

Der beliebte Audio-Hostinganbieter “Soundcloud” (Link zu Soundcloud) ist für die ersten drei Stunden hochgeladenes Tonmaterial vollkommen gratis. Darüber hinaus zahlt man 6€/Monat für sechs Stunden, oder 9€/Monat für beliebig viel Content. Sollte man nach einer “Testphase” von drei Stunden also intensiver ins Podcasting-Business einsteigen wollen, zahlt man ähnlich viel wie für ein Netflix-Abo, um über eine vollständige, stabile Online-Infrastruktur zu verfügen. Stellt man alles so ein, wie ich es gleich erkläre, wird dein Podcast nach dem Upload von Soundcloud vollautomatisch auf iTunes, dadurch in die beliebte App Overcast, und andere gängige Player verteilt. Für den Service handelt es sich ehrlich gesagt um ein Schnäppchen!

Ich empfehle also ausdrücklich die Nutzung von Soundcloud. Nachdem man sich dort ein Konto erstellt hat, wird man von folgendem Interface begrüßt:

soundcloud homepage

Man kann anderen Nutzern folgen, wenn man möchte, und deren neuste Tracks ähnlich wie Tweets ansehen. Auf Soundcloud nennt sich diese Ansicht „Stream“. Wir werden für Podcasts Soundcloud allerdings nur als Hostingservice, nicht als Social Media Plattform nutzen.

Unter https://soundcloud.com/upload können unsere geschnittenen Dateien hochgeladen werden.

Nachdem unser Clip hochgeladen ist können wir der Datei einen Titel, eine Beschreibung, ein Bild und einige Tags geben.

überblick deiner podcast-folge

Diese Informationen sind wichtig, da sie von Soundcloud an andere Services wie iTunes und Google Play weitergereicht werden!


Veröffentlichen und Verbreiten

Ein großes Teil aller Zuhörer hören ihre Podcasts mit der Podcast-App auf iPhone, welche ihre Inhalte von iTunes holt.

Deine Podcastfolge werden mithilfe von Soundcloud vollautomatisch zu einem sogenannten „RSS-Feed“ verarbeitet, aus dem sich die verschiedenen Services alle nötigen Informationen holen. Diesen Feed, welchen wir in den nächsten Schritten benötigen, richtest du hier ein: Link zu den RSS-Einstellungen.

Trage in die Textfelder ein, was zu deinem Podcast passt, und kopiere dann die URL, welche du unter „RSS feed“ findest.

podcast rss einstellungen

Um deinen Podcast auf iTunes zu listen, musst du diesen per iTunes Podcast Connect anmelden: Link zu iTunes Connect. Hier muss man den Podcast validieren und sich etwas durch Supportforen kämpfen–das lohnt sich allerdings wegen der schieren Größe des Publikums!

Einen Podcast bei Google Play Music zu publizieren ist sehr viel einfacher, allerdings derzeit nur in den USA verfügbar. Es kann sich allerdings lohnen, für die Einrichtung einen VPN zu verwenden. Link zu Google Play Podcasts. 

Du brauchst hier lediglich deinen kopierten RSS-Feed hineinpasten, deinen Besitz des Podcasts per Email bestätigen, und nach kurzer Zeit ist dein Podcast auf Google Play verfügbar!

podcast rss feed


Alleine durch die Anzahl Schritte und das Expertise in verschiedene Richtungen sollte klar geworden sein, dass Podcastproduktion noch in den Kinderschuhen steckt. Gerade darin findet sich unsere große Chance–jeder Mensch kann einen YouTube-Kanal öffnen und sofort Videos publizieren. Die paar Handgriffe mehr, die für Podcasts benötigt werden, bedeuten für uns deutlich weniger Konkurrenz.

Wenn du lernen möchtest, wie du schon in der Beschreibung deiner Podcast-Folgen den Zuhörer packen möchtest, schaue unbedingt in den Unleashed-Artikel „‚Du‘ ist König!“ von Robert Sladeczek.

Ich hoffe, dass ich dir einen kurzen Überblick zur technischen Seite des Podcastings verschaffen konnte, und wünsche dir sehr viel Spaß und Erfolg!

Wenn du erfahren möchtest, wie du den Erfolg deines Podcasts am besten misst, lese meinen neuen Artikel zu dem Thema: 3 Wege, den Erfolg deines Podcasts zu messen – ganz ohne Statistiken!


Albert Bozesan
Albert Bozesan

Albert produziert bei Unleashed Marketing visuelle Medien und schreibt Drehbücher für Spots und Kurzfilme. Seine Arbeiten mit Robert Sladeczek wurden unter anderem mit dem 1. Platz des Deutschen Multimediapreises mb21 ausgezeichnet.

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