Lesezeit: 5 Minuten

Es kann ein Wort, eine Form oder ganz einfach ein einzelner Buchstabe sein. Das Firmenlogo erfüllt heute die ehemalige Aufgabe des Familienwappens oder des Siegels: ein Symbol der Qualität, der Werte, die dahinter stehen, aber auch der Macht einer Firma.

Eine Freizeitpark-Eintrittskarte mit dem Aufdruck des Walt-Disney-“D”s bringt Freude. Wer es in der Hand hält, versteht sofort die Bedeutung und den Wert der Karte. Ohne das Logo wäre es Durchschnitt – mit, repräsentiert es urplötzlich tausende positive Assoziationen. Eine legale Mahnung mit Disney-Logo erinnert wiederum sofort an die Anwaltsarmee, die hinter dem Konglomerat steht, und schreckt sofort von Schnapsideen ab. Das selbe Symbol, wird es denn vorsichtig eingesetzt, kann also eine Vielfalt an Aufgaben erledigen. Um das jedoch zu schaffen, müssen einige grundsätzlichen Regeln eingehalten werden. Erfüllt man diese nicht, so drohen Missverständnisse, Verwirrung bei potentiellen Kunden, und im schlimmsten Fall: das einfache Desinteresse des Betrachters! Wo du es selber designst oder in Auftrag gibst – mit den folgenden Tipps und konkreten Schritte weißt du, ob dein Logo das Potential für ein begeistertes Millionenpublikum in sich trägt!


Wiedererkennungswert

Der Erfolg eines Logos steht und fällt mit dem Wiedererkennungswert. Doch wie garantiert man, dass sich ein Betrachte länger als wenige Sekunden mit einem Logo auseinandersetzt?

Abgesehen von der Unterscheidebarkeit zu anderen Logos, vor allem anderen Logos derselben Branche: Optimal ist, wenn das Logo einen cleveren Twist oder eine Idee repräsentiert, die beim Betrachter lange hängen bleibt.

logo von Apple

Der abgebissene Apfel des Apple Logos verspricht, Tabus zu brechen und die (verbotene?) Weisheit zu erlangen.

logo von fedex

Der versteckte Richtungspfeil zwischen “E” und “X” im FedEx-Logo wird unterbewusst zu “Geschwindigkeit” übersetzt, und die Cleverness des Designs eine ganze Weile in den Gedanken verarbeitet.

Dieser visuelle “Wortwitz” ist allerdings nicht zwangsläufig für ein gutes Logo nötig. Solange es auf eine ansprechende Art und Weise die Dienstleistung, das Produkt oder die Werte des Unternehmens verkörpert, hat es seine Aufgabe erfüllt.

Viele Unternehmer versuchen diese Aufgabe des Logos zu umgehen, indem sie erklärenden Text unter dem eigentlichen Symbol nochmals ausschreiben. Ist dieses jedoch nötig, erfüllt das Logo seine wichtigste Aufgabe nicht. Es muss die Idee vollkommen selbstständig repräsentieren! Aus ästhetischen und technischen Gründen ist dies keine nachhaltige Lösung.

Die Fragen, die du dir stellen musst, sind:

  • Ist eindeutig erkennbar, dass es sich bei meinem Logo überhaupt um ein Logo handelt?
  • Ergibt sich ein Produkt oder mindestens ein Gefühl aus meinem Logo, welches ich vermitteln möchte?
  • Wohin schaut ein Betrachter auf mein Logo? Ist es in zwei Sekunden verständlich? Mehr als ein Motiv verwässert die Aufmerksamkeit des Betrachters – weniger ist mehr.

Vielseitigkeit

Zur Wiedererkennung gehört auch, dass dein Logo auf den meisten Medien gleich oder zumindest ähnlich aussieht. Wenn ein essentielles Element deines Designs beispielsweise die Farbe weiß ist, hast du ein Problem, sobald es auf Papier gedruckt werden soll. Auswege hierfür wären beispielsweise ein dunkles Rechteck im Hintergrund des Logos bei Druck auf hellen Oberflächen – doch dann merken sich manche Betrachter eventuell den Kasten als Merkmal des Logos.

Finde also die richtige Dynamik zwischen festen Bestandteilen deines Logos, und akzeptablen Variationen für verschiedene Medien. Formen sind meist sicher, Farben nicht!

Ist dein Logo in der Lage, auf einfarbig flächendeckenden Plakaten, Websites, Briefköpfen, Emailsignaturen, Visitenkarten in hell oder dunkel, T-Shirts, im winzigen Schwarzweißdruck der Broschüre eines unerfahrenen Messeveranstalters, Landschaftsfotografien in hell oder dunkel und auf Glasflächen in deinem künftigen Corporate Headquarters fast identisch und unmissverständlich wiedererkennbar zu sein?


Technische Rahmenbedingungen

Die rein technischen Limitierungen im Logodesign gehen Hand in Hand mit der Aufgabe der Vielseitigkeit. Die rein visuellen Gründe für gewisse Entscheidungen sind bereits abgehandelt, nun kommt es zur konkreten Umsetzung, wenn das Logo endlich in die große weite Welt gepustet werden soll. Welche Aufgaben muss ein Logo denn erfüllen?

Ein Logo muss auf beliebige Größen gedruckt werden können. Sollte dein Unternehmen das Glück haben oder haben werden, sich größere Werbeflächen zu leisten, muss dein Logo mithalten. Du hast schließlich Geld und Zeit in den Wiedererkennungswert gesteckt – jetzt etwas daran verändern zu müssen wäre katastrophal. Denke groß! Ist dein Logo in der Lage, am Münchner Flughafen Terminal 2 auf 20 mal 10 Meter gedruckt zu werden – ohne peinliche überdehnte Pixel oder seltsame Verläufe an den Rändern?

Der Schlüssel zu beliebiger Skalierbarkeit liegt in der sogenannten Vektorgrafik. Professionelle Logos entstehen nicht in Photoshop, sondern meist in der Software Illustrator. Dieses Programm erstellt Grafiken, dessen Qualität beim Vergrößern mathematisch hochgerechnet wird.

Zusammen mit der Farbwahl im Punkt “Vielseitigkeit” ist auch die Transparenz des Motivs nicht zu vernachlässigen. Auf weißem Grund sehen halbtransparente Elemente oft schön aus, sodass man verlockt werden könnte, ein solches zu wählen.

bike-logo mockup

Nehmen wir das Logo des fiktiven Startups “BIKE”. Auf weiß ist es schön bunt, die Kreise erinnern vielleicht an runde Räder und durch den kurzen Schriftzug ist klar, worum es sich handelt.

Vorerst fällt das schleichende Problem nicht auf – als Briefkopf würde das Logo zum Beispiel funktionieren.

Doch die Firma hat vor, das Logo vielseitig einzusetzen. Es soll auf Werbebilder, auf ihrer Website vor Hintergrundbildern zum Einsatz kommen. Was passiert also mit den transparenten Kreisen?

unleserliches bike logo auf schlechtem hintergrund

Der Hintergrund scheint durch und die Farben – somit der Gesamteindruck – werden unfreiwillig verfälscht.

logo von mastercard

Der einzige Umweg ist, eine Pseudotransparenz einzusetzen, wie es beispielsweise Mastercard tat. Diese wirkt nur innerhalb des Logos.


Kongruenz mit deiner Brand

Welche Message vermittelt dein Logo? Es kann sein, dass du es sehr schön findest, und vielleicht ist es das auch. Doch vermittelt es das Gefühl, welches der Betrachter später mit deiner Brand assoziieren soll oder wird?

Würde der Apple-Apfel mit einem Kalligraphiepinsel gezeichnet, entstünde ein denkbar hübscher Eindruck. Ein Interessent, jedoch, könnte nun ein natürlicheres, freihändiger gestaltetes Produkt erwarten. Ein Laptop mit einem Gehäuse aus Bambusholz, etwa. Die mathematisch perfekten Aluprodukte des Herstellers wären für den Kunden plötzlich eine böse Überraschung, anstatt einer logischen Fortführung des Logoeindrucks.


Gefallen dir die Möglichkeiten, die dir in diesem Beitrag vorgestellt wurden? Dann lasse einen Kommentar da oder schreibe meinem Team hier. Unsere Designer arbeiten mit allen hier gelisteten Methoden und helfen dir gerne bei der Entwicklung deines perfekten Logos!


Albert Bozesan
Albert Bozesan

Albert produziert bei Unleashed Marketing visuelle Medien und schreibt Drehbücher für Spots und Kurzfilme. Seine Arbeiten mit Robert Sladeczek wurden unter anderem mit dem 1. Platz des Deutschen Multimediapreises mb21 ausgezeichnet.

Leave a Reply

Your email address will not be published.